Viele Menschen zucken beim Anblick einer großen Spinne zusammen. Doch wie fühlt es sich an, wenn diese Angst so überwältigend wird, dass sie den Alltag beeinträchtigt?

Wenn Angst zur Phobie wird

In diesem Fall sprechen wir von einer spezifischen Phobie. Sie ist definiert als eine ausgeprägte, übermäßige Angst vor einem bestimmten Objekt oder einer Situation, die zu Vermeidungsverhalten und erheblichem Leidensdruck im Alltag führt (vgl. ICD-11).

Das Konzept der Preparedness

Warum reagieren wir auf Tiere wie Spinnen so heftig, obwohl eine gewöhnliche Hausspinne uns gar nichts anhaben kann? Ein Erklärungsansatz ist das Konzept der "Preparedness" (Seligman, 1971). Demnach sind Menschen evolutionär darauf vorbereitet, bestimmte Reize besonders schnell mit Angst zu verknüpfen, nämlich solche, die für unsere Vorfahren eine reale, überlebensrelevante Gefahr darstellten.

Wer damals sofort mit Flucht reagierte, hatte einen Überlebensvorteil. Der Körper aktivierte den "Fight-or-Flight"-Modus, damit wir uns schnell aus der Gefahr bringen konnten. Diese Reaktion ist tief in uns verankert und wird bis heute ausgelöst, wenn wir eine kleine Hausspinne sehen. Das erklärt, warum manche Ängste so hartnäckig sind und sich mit reinem Wissen darüber, dass keine Gefahr besteht, kaum abstellen lassen.

Die Rolle der Expositionstherapie

Genau hier setzt die Expositionstherapie an. Wer eine Phobie hat, geht dem gefürchteten Reiz in der Regel aus dem Weg. Kurzfristig bringt das Erleichterung, langfristig hält es die Angst aber aufrecht. Die Erfahrung, dass die befürchtete Katastrophe ausbleibt, kann gar nicht erst gemacht werden. In der Expositionstherapie lernen Betroffene deshalb, sich der gefürchteten Situation kontrolliert zu stellen, bis die Angstreaktion nachlässt und neue, korrigierende Erfahrungen möglich werden.

Virtual Reality Exposure Therapy (VRET)

Bei der Virtual Reality Exposure Therapy wird diese Konfrontation in eine virtuelle Umgebung verlagert. Die Patientinnen und Patienten tauchen in eine Situation ein, die den gefürchteten Reiz realistisch darstellt, etwa eine Spinne, die sich im Raum bewegt. Die Darstellung ist überzeugend genug, um die Angstreaktion tatsächlich auszulösen. Das ist entscheidend, denn nur wenn die Angst spürbar wird, kann sie im Rahmen der Therapie auch bearbeitet werden. Gleichzeitig wissen die Betroffenen, dass sie sich in einem geschützten Rahmen befinden.

Im Vergleich zur klassischen Exposition in der realen Welt bringt VRET einige praktische Vorteile mit sich. Die Intensität lässt sich gezielt steuern, Übungen lassen sich beliebig oft und unter gleichen Bedingungen wiederholen und die Konfrontation findet in einer geschützten Umgebung statt. Außerdem ist die Hemmschwelle für Patientinnen und Patienten niedriger. Vielen Betroffenen fällt schon die Vorstellung schwer, sich dem echten Auslöser zu stellen. Die virtuelle Variante kann den Einstieg in die Behandlung erleichtern.

Virtual Reality erweitert also die Möglichkeiten, wie Exposition umgesetzt werden kann und macht sie für mehr Menschen zugänglich.

Seligman, M. E. P. (1971). Phobias and preparedness. Behavior Therapy, 2(3), 307–320. https://doi.org/10.1016/S0005-7894(71)80064-3

ICD-11 for Mortality and Morbidity Statistics: 6B03 Specific Phobia. (2025). https://icd.who.int/browse/2025-01/mms/en#239513569

Schriftzug DON’T PANIC auf rosa Hintergrund